Gemeinschaft für Frieden und Aufbau

Die Besonderheit der Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ bestand darin, dass Juden und Nicht-Juden trotz antisemitischer Hetze zusammenhielten und -arbeiteten. Der Grundpfeiler der Gemeinschaft war die Existenzsicherung illegal lebender Juden. Für diese bedeutete das eine große Erleichterung, auf einen zuverlässigen Kreis von „Ariern“ gestoßen zu sein, denn es hieß für sie, eine Unterkunft, Lebensmittel, Geld und Sicherheit zu bekommen. Die Mitglieder der Widerstandsgruppe versteckten Juden und verschafften ihnen Arbeit, sie wurden mit einem Werksausweis im Gefangenenlager Stalag IIIa beköstigt.
Werner Scharff und Hans Winkler hatten sich vorgenommen, Flugblätter in hohen Auflagen herzustellen und zu verbreiten. Sie waren politisch sehr ungeübt, daher war das eine mutige Tat. Das erste Flugblatt „Zum Überdenken. Feind hört mit“ entstand vermutlich im Januar oder Februar 1944 und wurde der NS-Propagandaaktion „Pst. Feind hört mit.“ entlehnt. Da dieses Flugblatt verschollen ist, lässt sich nichts über den Inhalt sagen. Das zweite Flugblatt „Generalmobilmachung“ ist datiert auf April 1944. „Wir klären auf!!“ hieß das dritte Flugblatt, welches im August 1944 verfasst und verbreitet wurde. Das Thema des zweiten und dritten Flugblattes ist der sinnlose Krieg, der nicht mehr zu gewinnen ist.
Im April 1944 kam die Gestapo der Gemeinschaft auf die Spur. Die meisten übrigen Mitglieder wurden im Oktober und Dezember verhaftet. Nicht-jüdische Mitglieder wurden wegen Hoch- und Landesverrats und Wehrkraftzersetzung angeklagt. Jüdische Mitglieder wurden in Konzentrationslager eingewiesen. Fancia Grüns früherer Ehemann Gerhard Grün und Werner Scharff wurden ohne Verhandlung im Konzentrationslager Sachsenhausen erschossen. Winkler und die meisten anderen Mitglieder konnten aufgrund der Befreiung durch die Alliierten der Roten Armee überleben.

Untergetauchte Juden in Luckenwalde

Luckenwalde ist eine der bedeutendsten Städte hinsichtlich des Widerstandes im Nationalsozialismus. In der kleinen Stadt konnten sich einige Juden, zum Teil mit Hilfe der Gemeinschaft für Frieden und Aufbau, für kürzere oder längere Zeit vor dem Holocaust verstecken. Einer dieser untergetauchten Juden war Eugen Herman-Friede, der mit 17 Jahren aus Berlin flüchten musste. Er erhielt eine sichere Unterkunft bei Hans Winkler in Luckenwalde in der Karl-Marx-Straße 6 im Jahr 1943. Er berichtet, dass er damals bei Hans Winkler ein völlig normales Leben führte. Doch auch Eugen Herman-Friede konnte nicht auf ewig bei Hans Winkler bleiben. Er reiste in und um Luckenwalde in den Jahren 1943 und 1944 von Wohnung zu Wohnung und überlebte somit den Holocaust, das Kriegsende erlebte er jedoch in Berlin. Dem Industriekaufmann Günther Naumann gelang es,  das jüdische Ehepaar Gertrud und Arthur Joachim in seiner Metallwarenfabrik zu verstecken. Er trat der Gemeinschaft für Frieden und Aufbau Anfang 1944 bei und war prägendes Mitglied zur Vervielfältigung der Flugblätter mithilfe seiner Fabrik. Er selbst wurde am 19.10.1944 verhaftet und am 27.03.1945 in Theresienstadt ermordet. Seine Eltern kümmerten sich weiterhin um die beiden Juden.
Ilse Grün wurde durch einen unglücklichen Zufall verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Ihr Mann Gerhard Bernhard gelangt über gute Kontakte nach Luckenwalde zu Hans Winkler. Ilse Grün konnte dem Deportationszug entfliehen und gelangt ebenso zu den Winklers nach Luckenwalde, wo sich die beiden wiedertrafen. Hilde Bromberg, Dora Levin, Rosa Friedemann, Herbert Ert und Fancia Grün, die in Theresienstadt starb, versteckten sich ebenfalls erfolgreich in Luckenwalde.