Die Mitgliederder Gemeinschaft

Kennenlernen

Um zu verstehen, wie sich eine Widerstandsorganisation wie „die Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ in einer Stadt wie Luckenwalde bilden konnte, muss man zunächst die Vergangenheit Luckenwaldes verstehen.
Luckenwalde war im 19. Jahrhundert eine große Industriestadt mit vielen Fabriken und wurde sogar als Textilmetropole bezeichnet. Demzufolge bestand die Bevölkerung Luckenwaldes vorwiegend aus Menschen, die der arbeitenden Klasse angehörten. So kam es auch, dass vorwiegend SPD oder KPD gewählt wurden und Luckenwalde selbst in der Zeit des Naziregimes linksgerichtet blieb. Die Luckenwalder wählten 1939 sogar noch einen jüdischen Bürgermeister.
Aufgrund dieser politischen Einstellung schlossen sich einige Mitglieder der Arbeiterschaft zum „Sparverein Hoher Einsatz“ bzw. „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ zusammen.

Ein sehr bekanntes Mitglied dieser Organisation war beispielsweise der Verwaltungsangestellte Hans Winkler, der mit seiner Familie den verfolgten Eugen Hermann-Friede versteckte. Die Widerstandsgruppe bestand aus Juden, Nichtjuden, Verwaltungsangestellten, Schuhmachern, Fleischern und so weiter. Obwohl sie alle verschiedene gesellschaftliche Hintergründen hatten, kämpften sie gemeinsam gegen die Unterdrücker.

 

Quellenverzeichnis
  • Ausstellung im Heimatmuseum Luckenwalde 2014
  • Schieb – Samizadeh, Barbara (1993) in: Werner Scharff; Löhken, Wilfried
  • Vathke, Werner: „Juden im Wiederstand“

Eugen Herman-Friede

Einer der in Luckenwalde untergetauchten Juden war Eugen Herman-Friede. Dieser wurde 1926 in Berlin, Mehringdamm geboren und erlebte, kurz nachdem sich seine jüdischen Eltern getrennt hatten, die Machtergreifung Hitlers. Der nichtjüdische Stiefvater konnte seinen Sohn nicht lange beschützen, so erlebte Eugen die wachsende Diskriminierung in der Schule und im Alltag. Bald war das normale Leben so schwer, dass er sich dazu entschied, in den Untergrund abzutauchen.

Aufgrund dieser politischen Lage schlossen sich einige Mitglieder der Arbeiterschaft zum „Sparverein Hoher Einsatz“ bzw. „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ zusammen. Ein sehr bekanntes Mitglied dieser Organisation war beispielsweise der Verwaltungsangestellte Hans Winkler, der mit seiner Familie den verfolgten Eugen Hermann-Friede versteckte. Die Widerstandsgruppe bestand aus Juden, Nichtjuden, Verwaltungsangestellten, Schuhmachern, Fleischern und so weiter. Obwohl sie alle verschiedene gesellschaftliche Hintergründen hatten, kämpften sie gemeinsam gegen die Unterdrücker.

Fancia Grün

Die am 22.08.1904 in der heutigen Ukraine geborene Fancia Grün(geb. Glück) lebte in Berlin, Prenzlauer Berg in der Weißenburger Str. 20 (Heute Käthe-Kollwitz-Straße). Sie besuchte zunächst die Volksschule, dann die Handelsschule. Dort lernte Fancia Grün Maschinenschreiben, Stenographie und Buchhaltung. 1928 heiratete sie den in Luckenwalde lebenden Gerhard Grün. In Luckenwalde arbeitete Fancia Grün als Sekretärin bei der Meldestelle der jüdischen Gemeinde.

Eine ihrer Aufgaben war das Schreiben von Deportationslisten. Durch eine Geschickte Anordnung der Namen am Ende der Listen rettete sie einzelnen Personen das Leben und konnte einige Juden vor der bevorstehenden Deportation warnen. Am 10.06.1943 tauchte sie gemeinsam mir Werner Scharff in Luckenwalde unter. Ebenfalls mit W. Scharff wurde F. Grün am 04.08.1943 ins Lager Theresienstadt deportiert. Den beiden gelang jedoch die Flucht am 07.09 desselben Jahres. Danach war sie in der „ Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ tätig. Erst am 20.10.1944 wurde sie erneut gefasst und wurde im Lager Theresienstadt am 3. März 1945 ermordet.

Günther Samuel

Günther Samuel wurde am 25. Juni 1903 als Sohn zweier Juden in Trebbin geboren, wo er bis zu seinem 30. Lebensjahr lebte. Er war Stadtverordneter und betrieb außerdem ein Konfektionswarengeschäft. Durch sein Amt als Vorsitzender des örtlichen Sportvereins lernte er seinen späteren besten Freund Hans Winkler kennen.
Nach der Scheidung von seiner ersten nicht jüdischen Ehefrau verließ er 1933 aufgrund des immer größer werdenden Druckes seine Heimatstadt und begab sich aufgrund einer geplanten Emigration in eines der unzähligen Umschulungslager, die allerdings nie stattfand. Später heiratete er seine 2. Ehefrau Else Samuel, geb. Urbaniczyk. Diese arbeitete als Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus Berlin.
Zusammen zogen sie 1935 in die Utrechter Straße 36 in Wedding. Ein Jahr später wurde er Vater eines Sohnes. Sie fanden Kontakt zu einer kommunistischen Gruppe, die aber kurze Zeit später aufgedeckt und aufgelöst wurde.

Am 04. August 1943 konnte die Familie ihre Deportation nicht mehr verhindern. Sie wurden am selben Tag nach Theresienstadt verschleppt. Auf der Fahrt lernte Günther Samuel Werner Scharff kennen und verschaffte ihm den Kontakt zu Hans Winkler, zu dem Scharff nach seiner Flucht aus dem KZ Kontakt aufnahm. Nach einem Jahr Gefangenschaft wurde die Familie am 04. Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Frau Samuel und ihr Sohn wurden im Vernichtungslager ermordert. Günther Samuel verstarb am 30. Dezember 1944 in einem der Außenlager des KZ Dachaus.

Quellenverzeichnis & Bildverzeichnis
  • http://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/588# , letzter Zugriff: 26.01.2016, 10:54 Uhr
  • Bild 1 : Fotografie von Günther Samuel (li.) und Hans Winkler (re.) im Stadtpark Trebbin. Fotorechte : GDW/Sammlung Winkler. http://www.stolpersteine-berlin.de/sites/default/files/styles/biografie_image/public/stolpersteine/bilder/0013463001.0011455.jpg?itok=azyCk_Kv
  • Bild 2: Krankensaal im Jüdischen Krankenhaus Berlin, Iranische Straße 2, um 1935. Bildrechte: Jüdisches Museum Berlin ; Fotografische Sammlungen. http://objekte.jmberlin.de/view/objectimage.seam?uuid=jmb-obj-150169&cid=69809

Hans Winkler

Hans Winkler wurde im Jahr 1906 in Berlin in eine Familie mit sozialdemokratischen Wurzeln geboren. Nach Abschluss seiner Verwaltungslehre arbeitet er am Amtsgericht Luckenwalde. In den darauffolgenden Jahren heiratete Winkler Frieda Klaehn, mit der er zwei Kinder hatte. Durch seine Mitgliedschaft im Trebbiner Sportverein lernte er seinen späteren guten Freund Günther Samuel kennen.
Im November 1933 wurde er ins Rathaus zitiert, um dort Verhöre zu protokollieren. Da diese Verhöre unter Folter stattfanden, kam es bei Winkler zur persönlich-politischen Wende und er war davon überzeugt, dass er Widerstand leisten müsse.
Nach dem Umzug seines Freundes nach Berlin hatte er sich einer kommunistischen Zelle im Berliner Wedding angeschlossen, bei der es 1938 zu Verhaftungen kam. Winkler hatte jedoch weiterhin Kontakt zu den Samuels, weshalb er um die immer enger werdenden Lebensverhältnisse Bescheid wusste, und gründete nach einer Idee von Else Samuel den „Sparverein großer Einsatz“.

Dieser sammelte Geld sowie Lebensmittel für untergetauchte Juden.
Am 27.02.1943 war die Familie Samuel von der Deportation bedroht. Winkler wollte die Familie bei sich verstecken, jedoch war dies auf Grund des lebhaften sechsjährigen Sohnes nicht möglich. Als Winkler allerdings erfuhr, dass der 17-jährige Eugen Herman-Friede ein Versteck suchte, nahm er ihn sofort bei sich auf.
Im September 1943 lernte er den aus Theresienstadt geflüchteten Werner Scharff kennen und merkte schnell, dass sie sich gut ergänzten. Somit benannten sie den Sparverein in „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ um. Das Ziel dieser Gemeinschaft war es, Verstecke für Juden zu finden. Schlussendlich wurden so zehn Juden in Luckenwalde versteckt, was für eine so kleine Stadt sehr ungewöhnlich war. Nach Kriegsende lebte Winkler bis zu seinem Tod im Jahr 1987 in der BRD.

Werner Scharff

Werner Scharff wurde am 16. August 1912 in Posen geboren. Er war das Älteste von drei Kindern. Da sein Vater Wilhelm Scharff 1929 an Tuberkulose erkrankte und kurze Zeit später daran starb, blieb Scharff keine andere Möglichkeit, als eine Ausbildung zum Elektrotechniker zu beginnen.
1935 lernte er die Buchhalterin Gertrud Weißmann kennen, die er drei Jahre später heiratete. Ab 1941 arbeitete Scharff in einer Synagoge in Berlin als Elektrotechniker. Diese Synagoge wurde jedoch als Sammelstelle der Sturmstaffel (SS) missbraucht. Dadurch bekam Scharff tiefe Einblicke in die Grausamkeit der SS und entschied sich, den Opfern zu helfen. Im Juni 1943 flüchtete er mit einer Freundin, Fancia Grün, in den Untergrund. Jedoch wurden sie nach nur sechs Wochen von der Gestapo entdeckt und am 4. August 1943 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt.

Nach nur sieben Wochen Aufenthalt gelang den beiden die Flucht und Scharff versteckte sich bei Hans Winkler in Luckenwalde.
Kurz darauf gründeten Winkler und Scharff die Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“. Sie fälschten Pässe und Todesurkunden. Außerdem beherbergten sie circa sechs bis zehn Juden bei sich. Die Gestapo kam der Gruppe jedoch auf die Spur. Scharff wurde erneut verhaftet und Ende 1944 ins KZ Sachsenhausen überführt. Dort wurde er am 16. März 1945 von der Schutzstaffel erschossen.

Quellenverzeichnis:
  • Schieb – Samizadeh, Barbara (1993) in: Werner Scharff S.37 bis S.77;
  • Löhken, Wilfried; Vathke, Werner: „Juden im Widerstand“.
  • http://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/2397; Barbara Schieb, Gedenkstätte Stille Helden; 26.01.2016, 10:46 Uhr.